Wähle zuerst die Unsicherheit
„Ich möchte Führung ausprobieren“ lässt noch offen, was du dabei erfahren willst. Möchtest du eine Besprechung moderieren, eine schwierige Priorität vertreten oder die Arbeit anderer koordinieren? Jede dieser Tätigkeiten enthält andere Anforderungen. Wähle eine Frage, die durch eine begrenzte Aufgabe überhaupt bearbeitbar wird.
Das gilt auch für fachliche Entwicklung. Ein neues Analyseproblem zeigt dir etwas anderes als eine Woche mit mehr Kundenkontakt. Eine Erprobung wird hilfreicher, wenn du beschreiben kannst, welche Annahme du prüfen möchtest: „Mich interessiert, ob ich die inhaltliche Abstimmung gern übernehme, wenn Aufgabe und Spielraum klar sind.“
Was die Forschung zu Rollenübergängen beitragen kann
Eine neue Rolle muss sich also nicht schon in der Vorstellung vollkommen vertraut anfühlen, um näher betrachtet werden zu können. Zugleich ist Unsicherheit kein Beweis dafür, dass die Rolle gut zu dir passt. Der Versuch soll zusätzliche Informationen liefern, nicht einen vorab gewünschten Entschluss bestätigen.
Drei mögliche Erprobungen – drei verschiedene Fragen
| Anliegen | Begrenzte Möglichkeit | Was du beobachten könntest |
|---|---|---|
| Einen Teil von Führungsarbeit kennenlernen | Eine Besprechung mit klarem Ziel und vereinbartem Spielraum moderieren. | Wie gehst du mit unterschiedlichen Beiträgen, einer offenen Frage und einem gemeinsamen Ergebnis um? |
| Fachlich wachsen | Ein abgegrenztes fachliches Teilproblem mit erreichbarer Unterstützung bearbeiten. | Welche Teile interessieren dich, welche Kenntnisse fehlen und welche Rückmeldung bekommst du? |
| Den Alltag verändern | Eine konkrete Priorität oder einen Arbeitsblock für einen vereinbarten Zeitraum anders organisieren. | Wird die gewünschte Arbeit tatsächlich möglich, und welche anderen Aufgaben oder Personen sind betroffen? |
Eine Besprechung zu moderieren gibt beispielsweise noch keinen Einblick in Leistungsbeurteilungen oder schwierige Personalgespräche. Die Beispiele passen nicht automatisch zu jedem Arbeitsplatz. Umfang und Befugnis müssen abgestimmt sein; eine Erprobung darf keine unzulässige Verantwortung auf dich oder andere verlagern. Wenn eine eigene Aufgabe nicht möglich ist, können Hospitation oder ein konkretes Fallgespräch andere, begrenztere Informationen liefern.
Vereinbare den Rahmen vor dem Start
Wähle den Umfang nach der Frage und den Möglichkeiten am Arbeitsplatz. Eine pauschale Dauer von beispielsweise zwei Wochen wäre keine wissenschaftlich begründete Vorgabe. Ein einzelner Termin kann für eine eng umrissene Frage reichen; eine wiederkehrende Aufgabe kann mehrere Beobachtungen brauchen. Besprich auch, was passiert, wenn die Aufgabe in der vereinbarten Zeit gar nicht auftritt.
Mach den ersten Schritt ausführbar
Nach der Erprobung kannst du Beobachtung, Bewertung und Schlussfolgerung getrennt festhalten. Was ist passiert? Was hat dir daran gefallen oder gefehlt? Welche andere Erklärung wäre möglich? Eine angenehme Erfahrung kann an guter Unterstützung gelegen haben; eine schwierige an einem unklaren Auftrag. Notiere anschließend, welche Frage jetzt besser beantwortet ist und welche du weiterhin offenlassen möchtest.
Quellen zu diesem Text
Die Quellen stützen die jeweils gekennzeichneten Aussagen. Beispiele, Gesprächsfragen und Arbeitshilfen sind eigene redaktionelle Anwendungen.
- [1]Provisional Selves: Experimenting with Image and Identity in Professional Adaptation ↗Bereitgestellten Volltext öffnen ↗
Art, Zugang und Grenzen dieser Quelle
Qualitative Interviewstudie mit 34 Beratenden und Investmentbankern in zwei Unternehmen.
Untersucht professionelles Auftreten und Identitätsanpassung in Projekt- und Kundenberatungsrollen. Kein Versuch zur Wirksamkeit unseres Erprobungsplans oder zur Güte einer Karriereentscheidung.
Zugang bei der Recherche: Institutionell bereitgestellter Volltext.
- [2]Implementation intentions and goal achievement: A meta-analysis of effects and processes ↗Bereitgestellten Volltext öffnen ↗
Art, Zugang und Grenzen dieser Quelle
Forschungssynthese zur Umsetzung von Zielen durch konkrete Situations-Handlungs-Pläne.
Eine Handlung umsetzen zu können bedeutet nicht, dass das gewählte berufliche Ziel richtig ist.
Zugang bei der Recherche: Methodik und praktische Grenzen im von Peter M. Gollwitzer bereitgestellten Originalvolltext; institutioneller Publikationsnachweis.
Forschung und eigene Arbeitshilfen
Fiktive Fälle sind keine erhobenen Fallberichte. Eigene Fragen und praktische Übertragungen sind keine Originalskalen der Forschenden und nicht als diagnostisches Verfahren validiert. Der Text dient der persönlichen Orientierung. Nutzung und Grenzen
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Halte fest, was du herausfinden möchtest und welchen nächsten Schritt du dafür vereinbaren willst.
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